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Oktober // Duftende Quitten und ein Marmeladenrezept

Quitten sind die schönsten und sinnlichsten einheimischen Früchte, die ich kenne.

Da ist zum Beispiel die gelbe Schale mit ihrem zarten Flaum. Wenn man ihn vorsichtig mit einem weichen Tuch abreibt, wird die goldgelbe Schale erst richtig sichtbar. Der Blütenansatz ist wohlgeformt und verströmt einen wunderbar fruchtig-zitronigen Duft, weshalb meine Freundin im Winter immer eine Quitte auf ihrem Küchentisch platziert. Das haben übrigens die Römer schon vor 2000 Jahren so gemacht.

Ähnlich wie bei den Frauen spricht man bei den Quitten von „apfelförmigen“ oder  „birnenförmigen“, und viele Kulturen erkannten in der wohlgeformten Quitte ein Liebessymbol .

Im alten Griechenland galt das Zuwerfen einer Quitte als Einladung zu einer Liebesnacht. Auch auf den Münzen von Milos ist der goldene Apfel, wie die Quitten noch genannt werden, als Symbol für Liebe, Fruchtbarkeit, Klugheit, Glück und Langlebigkeit in Metall geprägt. In der griechischen Sagenwelt ist die goldgelbe Quitte der Aphrodite, also der Göttin der Liebe und der Schönheit zugeordnet. Der verführerische Apfel, den Eva vom Baum der Erkenntnis gepflückt hat, könnte wohl auch eine Quitte gewesen sein.

Später dann, im England Victorias verschenkte man Quittenkonfekt um eindeutige Absichten auszudrücken und ebenso gehörten sie dort auf die Hochzeitstafel.

Quitten

Warum es in meiner Kindheit keine Quitten gab, kann ich gar nicht genau sagen. Sie sind eine meiner späten Entdeckungen. Der ersten Quittenbaum, den ich gesehen habe, wuchs in Ungarn. Es war ein alter Baum mit verdrehten Zweigen, einem dichten dunkelgrünen Laubdach. Der ganze Baum hat eine schöne und weiche Gestalt. Die Blätter sind ebenso wie die Früchte mit einem weichen Flaum bedeckt. Auch die Blüten sind lieblich rosa-weiß. Wen die Quitte einmal in ihren Bann gezogen hat, den lässt sie nicht mehr los.

Pflanzen, um die sich so viele Mythen und  Geschichten ranken, spielten natürlich auch im  Alltag der Menschen eine große Rolle. Tatsächlich wird die Quitte in vielen alten Koch- und Kräuterbüchern gelobt. So soll der wohlschmeckende Saft Kühlung und Erfrischung  bei Fieber bringen, weiß die Volksheilkunde.

Die heilige Hildegard (ca. 1100) schrieb zur Quitte: „Wer gichtkrank ist, esse oft die Quittenfrucht gekocht oder gebraten und sie räumt mit dem Gichtstoff in ihm auf.“  . Darum wurden die Quittenfrüchte bei Rheuma, Gicht, Arthritis und allen Symptomen, die auf Grund von Übersäuerung entstehen, angewendet.

Auch ich habe im Lauf der Jahre viele Quittenrezepte ausprobiert.

Sie können herzhaft oder auch süß zubereitet werden. Für mich sind sie Früchte, die den Übergang des  Sommers in den Herbst markieren, wenn das Licht noch goldgelb ist, aber der Wind langsam kühler und wilder wird. Sobald die Quitten reif sind, bereite ich immer ein Quitten-Apfelmus zu. Ungeduldig warte ich auf diesen Moment Ende September, um  eine kleine Schüssel mit dem Mus zu füllen. Dann gebe ich noch einen dicken Klacks Schlagsahne dazu und setze mich im Garten auf die Bank, um das warme Mus zu löffeln,  während der Wind mein Haar zerzaust. Eigentlich ist mir dann egal, ob die Quitte die Gicht vertreibt. Sie schmeckt einfach herrlich.

Rezept: Quitten*Marmelade

Natürlich kann man aus den Quitten-Früchten auch Gelee oder Marmelade zubereiten. Hier mein Lieblingsrezept für eine Marmelade, die bei uns schlichtweg „Quittengold“ heißt:

1 kg Quitten, ca. 250 ml Weißwein, Zimt, gemahlener Kardamom, Vanille. 1 Paket Gelierzucker 2:1

Zubereitung
Die Quitten mit einem Tuch abreiben, entkernen und in Stücke schneiden. Mit dem Weißwein und den Gewürzen zum Kochen bringen und ca. 20 Minuten kochen bis die Früchte richtig weich sind. Bei Bedarf noch etwas Weißwein dazu geben. Dann die Früchte pürieren, mit dem Gelierzucker aufkochen und nach Packungsanleitung weiter verarbeiten.

Die Marmelade schmeckt auf dem Früstücksbrötchen oder gibt dem Salatdressing einen besonderen Kick.

Manchmal backe ich „Quittenschnecken“ für das Herbstpicknick.

Dafür ersetze ich bei dem Rezept für Hagebuttenschnecken einfach das Hagebuttenmus durch Quittenmarmelade. Das schmeckt wunderbar fruchtig! Die Schnecken lassen sich auch gut portionsweise einfrieren.

Quitten-Schnecken

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